Stifter Aquarell Die Sonnen-
finsternis vom 08.07.1842
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 Adalbert Stifter als Pädagoge und Therapeut (4)

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Autorin: Brigitte Lachinger
aus dem EuroJournal Mühlviertel - Böhmerwald 4/1998

Heute sieht man die Erstfassungen als die unmittelbareren und elementaren Kunstwerke,
verglichen mit den Fassungen "Studien" in den "Bunten Steinen".
Stifter ist also auch an sich selbst ein Seelenarzt, indem er die Folgen
ungezügelter Leidenschaft zu bedenken gibt.

Stifter verarbeitet auch altes Sagengut, Legenden, wie das Votivbild im "Beschriebenen Tännling", Wahrträume, Phantasien in seinen Erzählungen, weil er weiß, daß die Menschen hinter der Realität stets Unheimliches, Rätselhaftes und Unerklärliches aufspüren wollen, er weiß auch, was vor allem einfache Menschen wollen und anspricht, nämlich Geschichten, Märchen, die "gut" ausgehen, enden, Liebesgeschichten, spannende Abenteuer, - um diesen Anforderungen gerecht zu werden, wird Stifter ein ganz großer Erzähler, obgleich es mitunter scheint, als würde er stellenweise mit sich selbst sprechen.

Es ist ein leises Sprechen in eine Leere, die er mit Erzählinhalten nicht zu füllen vermag, - angesichts der Unendlichkeit wird selbst dieses Erzählen unhörbar und sinkt zu einem Flüstern herab.

Stifter mag die Vergeblichkeit menschlichen Strebens an sich selbst gespürt haben, ein Gefühl, das ihn letztlich in den Selbstmord getrieben hat und völlig unpädagogisch ist, aber angesichts der Schmerzen und des persönlichen Unglücks seiner schlechten und bedrückenden Ehe verständlich erscheint.
Voll Trost und Zuversicht erscheint dann der Sternenhimmel, in den die verirrten Kinder in "Bergkristall" sprachlos vor Staunen schauen, damit ganz der These Schillers folgend "Das moralische Gesetz in mir und der Sternenhimmel über mir".
Der Vergleich dieser beiden Textstellen zeigt die künstlerische Überlegenheit sowie die Betroffenheit Stifters angesichts der Unendlichkeit.

Als Physiker ahnt er zugleich mehr von den Sternen als der moralisierende Schiller und die Stellung des Menschen im Kosmos, während die Klassik in Schiller und Goethe den Menschen als Maß aller Dinge ansehen und so eine ganz anderer "Heldenbegriff " entsteht.
Bei Stifter sind die Helden "Antihelden", verhalten, ruhig, überlegen nur durch ihre innere Ruhe, durch protestloses Einfügen in die Kette von Ursachen und Wirkungen.
Es gibt aber auch analog zu Naturkatastrophen Katastrohpen der menschlichen Seele, und Stifters Stille bezwingen auch diese und erweisen sich dadurch in ihrer ganzen Seelenschönheit und Größe.

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