Stifter Aquarell Die Sonnen-
finsternis vom 08.07.1842
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 Adalbert Stifter als Pädagoge und Therapeut (1)

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Autorin: Brigitte Lachinger
aus dem EuroJournal Mühlviertel - Böhmerwald 4/1998

Die pädagogische Grundeinstellung Stifters in seinem "Sanften Gesetz" läßt sich von seinem künstlerischen Schaffen kaum oder überhaupt nicht trennen.
Das langsame Werden und Reifen müßte auch den Menschen das 20. Jahrhunderts bilden können, es durchzieht als All-Liebe im Sinne Spinozas die belebte und unbelebte Natur.

Kinder werden von Eltern oder Erziehern herangebildet, umgekehrt erfahren auch Erwachsene durch Kinder einen Reifungsprozeß, wie in "Katzensilber" das fremde Mädchen, eine Art Naturgeist, oder im "Waldbrunnen", wo ein Zigeunermädchen wilde ekstatische Lyrik von sich gibt, - eine Begabung, die vom Dorfschullehrer nicht erkannt wird (!)
Der hält sie für nicht bildbar.
Selbst das Mädchen mit dem Wasserkopf in "Turmalin" hört auf die Ouerflöte des Vaters, ein Instrument des Todes, um ihre Einsamkeit wie überhaupt die Einsamkeit des Menschen sublimiert auszudrücken.
Die beiden Kinder in "Bergkristall" erziehen einander nach dem Vorbild der Eltern und Großeltern. Der Knabe Konrad verhindert durch sein überlegenes und ruhiges Gebaren, daß Sanna in Panik gerät und somit beide in Gefahr bringen könnte.
Autosuggestiv wiederholt Sanna immer wieder voll Vertrauen "ja, Konrad! "
Eine solche Geschwisterliebe ist beispiellos und nur in der Antigone von Sophokles gesteigert.

Daß ein solch erfahrener Pädagoge wie Adalbert Stifter kinderlos blieb, ist eine Tücke des Geschicks. Im "Waldbrunnen" wird gezeigt, wie gelernt werden soll!

Der Großvater ging mit seinen Enkelkindern in den Wald, sie gingen den Waldrand entlang, eine Anhöhe hinauf, sie gingen weiter, gingen zum Waldbrunnen, u. s. w.
Im Gehen, im Wandern nämlich eröffnen sich neue Räume, ein neuer Horizont.

Völlig angstfrei soll diese Erziehung sein, ebenso wie Weizen reift, langsam, mählich und intensiv. Und es gibt keinen besseren Lehrmeister als den Großvater oder die Großmutter; die Eltern müssen selbst noch erzogen werden, so lange dauert eine menschliche Entwicklung.

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