Stifter Aquarell Die Sonnen-
finsternis vom 08.07.1842
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 Auf den Spuren von Adalbert Stifter    Reportage
Oberösterreich gedenkt heuer des
Dichters und Malers, der vor 200 Jahren
geboren wurde. Stifter liebte Land und
Leute die Natur und gutes Essen..
.

Text: Max Stöger
Fotos: Christian Koller
Aus der Kronen Zeitung vom Sonntag, dem 16. Jänner 2005
Rezept von Stifters Milirostbraten vom Mühlviertler Koch Georg Friedl

Schriftsteller, Dichter, Maler, Lehrer, Denkmalpfleger!

Adalbert Stifter, vor 200 Jahren im abgelegenen Marktflecken Oberplan an der Moldau geboren, war ein Mensch mit vielerlei Talenten. Den Grundstein für sein profundes Wissen legte er als Gymnasiast von 1818 bis 1826 im Benediktinerstift Kremsmünster, wo der "Bertl" gerufene Stifter von Pater Placidus Hall gefördert wurde. Die Naturwissenschaften zählten zu den Lieblingsfächern des Klassenbesten. Stifter hielt sich täglich in der berühmten Sternwarte des Stiftes auf.
Von Kremsmünster übersiedelte Stifter nach Wien, wo er studierte, heiratete und im Alter von 35 Jahren mit der Veröffentlichung seiner Erzählung "Der Condor" erstmals als Schriftsteller beklatscht wurde. Die Wiener schätzten seine ländlichen Sujets samt den Naturbeschreibungen.

Erst nach 22 Jahren kehrte er im Revolutionsjahr 1848 nach Oberösterreich zurück und zog ins so genannte "Hartl`sche Haus" an der Unteren Donauände, das heute das Stifter-Haus beherbergt ein. Zuvor verbrachte Stifter einige Sommer in Urfahr. In einem Brief an seinen Verleger Heckenast schrie er:" In Linz, wo ich frei habe ich jedesmal in drei Monaten mehr ausgerichtet, als im übrigen ganzen Jahr hindurch."

Mit seinem geliebten Hund "Putzi" spazierte Stifter jeden Tag an der Donau, in welcher sich geliebte Ziehtochter Juliane ertränkte. Als Landesinspektor und Landeskonservator bereiste er das Land. Für die Verbesserung des Schulwesens und die Rettung von Kulturgut erwarb er größte Verdienste.
Dennoch war der Schwerkranke in den letzten Lebensjahren über die mangelnde Anerkennung seines künstlerischen Schaffens verbittert. Seine Erkrankung an Leberkrebs aber nicht auf übermäßigen Alkoholgenuss basierren, der Dichter hat sich mehr schlicht krank gegessen. "Er war immer ein leidenschaftlicher Esser geht auch aus vielen Briefen hervor", berichtet Regierungsrat Helmuth Meyer, Stifter-Kenner und Bibliothekar im Stifter-Institut. "Es schmeckte mir und bekam mir wohl", war ein häufiger Ausspruch Stifters.

Der meisterliche und kreative Mühlviertler Koch Georg Friedl begab sich auf eine kulinarische Spurensuche. Stifters Lieblingsgerichte wie ein "Milirostbraten" - kommen im Stifter-Jahr auf die Speisekarten heimischer Wirte. "Stifter war kein Gourmet, sondern ein Gourmand, ein Schlemmer", charakterisiert ihn auch Friedl.

Auch zu seinen Kuraufenthalten in Kirchschlag ließ sich Stifter von seiner Frau Essen aus Linz schicken. Er liebte das reine Kirchschlager Wasser und riet seiner Amalia: "Trinke mir ja kein Linzer Jauchewasser mehr." Mit dem Fernrohr blickte er von Kirchschlag nach Linz herunter. War dort seine Anwesenheit nötig, hängte seine Ehefrau zwei zusammengeknüpfte weiße Leintücher aus dem Fenster der Wohnung im zweiten Stock.
Zwei Tage, nachdem er sich beim Rasieren einen tiefen Schnitt am Hals zugezogen hatte, starb Stifter am 28. Jänner 1868 in seiner Linzer Wohnung. Den Totengesang dirigierte der damals noch unbekannte Anton Bruckner. Bei Schneegestöber und unter großer Anteilnahme der Bevölkerung wurde der Dichter am Barbara-Friedhof beigesetzt.

Stifters "Milirostbraten" kredenzt der Mühlviertler Koch Georg Friedl.
Der kreative Kochkünst1er entdeckte bei seiner kulinarischen Spurensuche viele Lieblingsgerichte des Dichters, die im heurigen Stifter-Jahr auf die Speisekarten heimischer Wirte kommen. Der Vielesser liebte Schnitzel, Rindfleisch, Tauben Enten und Frankfurter Würstl.
In der Fastenzeit speiste er auch Biber und Schildkröte. Stifter in einem Brief: "Der Zeiger geht gegen neun Uhr, mein Braten wird bald kommen ...

Rezept: Stifters Milirostbraten
4 Stück Rostbraten geschnitten á 15 dag, 1 Messerspitze Senf, Salz, Pfeffer, 1/16 Liter Rindsuppe, 1/4 Liter Milch, Schale eines Zitronen-Viertels, 1 Kaffeelöffel Maggiekraut und Selleriegrün, 1 nussgroßes Stück Butter

Rostbraten klopfen, salzen und pfeffern, mit Senf bestreichen, mehlieren, mit Rindsuppe aufgießen und mit Milch auf kleiner Flamme dünsten. Wenn der Saft zu stark einkocht, etwas Milch nachgießen. Das Fleisch ausstechen, den Saft durch ein feines Sieb gießen, mit feinen Zitronenschalenstreifen und dem gehackten Maggiekraut und Selleriegrün vollenden. Mit einem nussgroßen Stück Butter montieren.

Spurensuche im Stifterhaus
Bild oben:
Spurensuche - Nicole im Gedenkzimmer im 2.Stock des heutigen Stifter-Institutes an der Unteren Donaulände in Linz, das der Schriftsteller bis zu seinem Tode im Jahre 1868 bewohnte. Des Dichters Wohnung zierten über 50 Kakteen.

Bild oben:
Stifter-Bibliothekar Regierungsrat Helmut Meyer weiß viele Anekdoten aus dem Leben des Künstlers. Von seinen Essgewohnheiten, aber auch von schicksalshaften Begebenheiten. So wllte Stifter 1850 eigentlich einen Posten als Gymnasialschulrat in Wien annehmen, doch in Grein lief "sein" Dampfschiff auf Grund. Stifter kehrte nach Linz zurück und unterzeichnete die Landesschulinspektor-Urkunde.


Begrüßungsrede von Landeshauptmann
Dr. Josef Pühringer zur Stifterjahr-Eröffnung am 28. Jänner 2005

Festrede des südböhmischen Kreishauptmanns RNDr. Jan Zahradník anlässlich der feierlichen Eröffnung des Kulturjahres zum 200. Geburtstag von Adalbert Stifter

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