Oberplaner Gespräche 2001

Vorwort

Horst Löffler, Stuttgart
Verein Adalbert-Stifter-Zentrum, Horní Planá/Oberplan
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Oberplaner Gespräche


Jedes der bisherigen "Oberplaner Gespräche" stand jeweils unter einem bestimmten Motto, welches auf die hauptsächliche Zielrichtung seiner Referate und Diskussionen hinwies. Bei den "Oberplaner Gesprächen 2001 scheinen mir zwei Begriffe ihres Mottos von besonderer Bedeutung zu sein, weshalb ich sie hervorheben möchte: Die These, daß Verstehen "vor Ort beginnen würde, und der Hinweis auf den Beitrag "des Einzelnen".

Oft genug wird ja auf den verschiedensten Ebenen von "Verständigung" geredet, wird sie beschworen und gefordert, werden Erklärungen formuliert und beschlossen - und nur allzu oft erlebt man dann, wie solche Reden und Erklärungen ziemlich wirkungslos verpuffen und in der Praxis des täglichen Lebens dort keine Auswirkungen zeigen, wo sie eigentlich ankommen sollten, nämlich "vor Ort, bei den real existierenden" Menschen. Darum eben meine ich, daß solche Verständigung nicht "von oben" verordnet werden kann, sondern ihren Ausgang "unten" nehmen muß, dort, wo Menschen in der Praxis aufeinander treffen, eben - "vor Ort". Und da die Voraussetzung von Verständigung das "Verstehen" ist - nämlich weniger sich selbst, sondern vor allem den anderen verstehen - sollte man mit diesem Verstehen in erster Linie auch vor Ort ansetzen, in der Praxis des Lebens und Aufeinandertreffens der Menschen.
Daß Verstehen und Verständigung nicht von selbst über die Menschen kommen, sondem herbeigeführt werden müssen, wird wahrscheinlich niemand bestreiten wollen. Also bedarf es einer Handlung oder besser vieler Handlungen, sie herbeizuführen. Derartiger Handlungen aber ist nur eine Spezies fähig: wir Menschen. Freilich bedeutet, zu handeln, etwas konkret zu tun, damit auch ein gewisses Maß an Verantwortung zu übernehmen. Und die Neigung, Verantwortung an ein möglichst anonymes Kollektiv zu übertragen ("Die da oben sollen...", "Man müßte..."), ist nun einmal in vielen Menschen latent vorhanden. Dem will der zweite aus dem Motto der "Oberplaner Gespräche 2001" zitierte Begriff einen Riegel vorschieben: Der Einzelne ist gefragt, und sein Beitrag. Niemand soll sich der Verantwortung entziehen können, jeder soll gefordert sein, auch und gerade seinen ganz persönlichen Beitrag zu leisten.
Im Verlauf dieser "Oberplaner Gespräche 2001 wurde von einem der Teilnehmer die Frage aufgeworfen, was derartige "Gespräche", ob in Oberplan, in Iglau, Marienbad oder wo auch immer, denn bewirken würden - man würde auseinandergehen, und dann? Aber hier genau setzt eben der "Beitrag des Einzelnen" ein: Solche Gespräche oder Seminare oder wie immer man es nennen will, können nur Möglichkeiten aufzeigen und Anregungen geben - und das ist ja letztlich auch ihr Sinn und ihre Aufgabe. Umsetzen in die Praxis muß das dann jeder Einzelne selbst. Deshalb wird auch ein Erfolg oder Mißerfolg derartiger Veranstaltungen nie konkret meßbar oder nachweisbar sein. Nur eines wird man sagen können: Wenn man allgemein merkt, daß man dem Verstehen und der Verständigung doch allmählich näher kommt, dann werden wohl auch Veranstaltungen wie die "Oberplaner Gespräche" ihren Anteil daran gehabt haben.

 

  Oberpl. Gespräche 01
  Oberpl. Gespräche 04
  
Oberpl. Gespräche 05


 11. August 1999
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