Stifter Aquarell Die Sonnen-
finsternis vom 08.07.1842
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 "Der Freundschaftbund" - 3. Akt   (1. Akt) (2. Akt)

DER FREUNDSCHAFTSBUND
Großes Festspiel in drei kleinen Akten
von Christian Schacherreiter

Personen:
Johann Lachinger
Regina Pintar
Tonja Grüner
Walter Wippersberg
Christian Schacherreiter
Der böse Geist Mephistopheles (erscheint in Gestalt von Thomas Baum)
Der Geist von Adalbert Stifter

Zeit: Im Jahr 2004
Ort: Land ob der Enns (der 1. und 3. Akt spielen im Stifterhaus, der 2. in Losenstein)

3. AKT

Stifterhaus Linz. Fest für Johann Lachinger. Die Festgemeinde ist versammelt. Die Abordnungen der Schreibzünfte huldigen Johann Lachinger durch einen Kniefall. Der Gefeierte empfängt den Bruderkuss des Landesfürsten. Der Bischof segnet die Festgemeinde. Eine himmlische Musik erfüllt den Raum, durch welchen einige Genien schweben. Zwei Damen sind einer Ohnmacht nahe.


REGINA PINTAR (zu Johann Lachinger gewendet)

Welch ein Gefühl musst du, o großer Mann!
Bei der Verehrung dieser Menge haben!
O glücklich! Wer von seinen Gaben
Solch einen Vorteil ziehen kann!
Der Vater zeigt dich seinem Knaben,
Ein jeder fragt und drängt und eilt,
Die Fiedel stockt, der Tänzer weilt.
Du gehst, in Reihen stehen sie,
Die Mützen fliegen in die Höh:
Als käm das Venerabile.

TONJA GRÜNER

Und doch sind alle Lob- und Liebesgaben,
Die wir seit Stunden dir bereitet haben
Noch lange nicht der Gipfel aller Lust
Der folget jetzt - und füllt dir Sinn und Brust!

REGINA PINTAR

Es war, o edler Man, dein fester Sinn,
Dass Schulrat Stifter leiblich hier erscheine.
Wir mühten unsre Köpfe, Seelen, Beine
Und konnten zwingen, was nicht machbar schien!
Und jetzt, da alle schicklich Platz genommen,
Sind wir bereit. – (laut) Herr Stifter möge kommen!

Eine schreckliche Stille und Kälte. Die Szene verdunkelt sich, als wäre eine Sonnenfinsternis im Gange oder heftiger Schneefall im bayerischen Walde. Adalbert Stifters Antlitz erscheint in einer rötlichen Flamme. Mindestens fünf Damen sind einer Ohnmacht nahe. Selbst kahlköpfigen Männern stehen die Haare zu Berge.

ADALBERT STIFTERS GEIST

Wer ruft mir?

REGINA PINTAR UND TONJA GRÜNER

Schreckliches Gesicht!

STIFTERS GEIST

Ihr habt mich mächtig angezogen,
An meiner Sphäre lang gesogen,
Und nun –

REGINA PINTAR UND TONJA GRÜNER

Weh! Ich ertrag dich nicht!

STIFTERS GEIST

Wer will die Begegnung wagen?
Meine Stimme hören, mein Antlitz sehn;
Mich neigt ein mächtig’ Seelenflehn.
Da bin ich! – Wer will mir was sagen?

JOHANN LACHINGER

Ja, ich will! Lachinger, mein Name:

STIFTERS GEIST

Ich weiß, mein Sohn, ich kenne dich recht gut:
Drum zaudre nicht, und stelle mir mit Mut
Die eine oder andre Frage.

JOHANN LACHINGER

Ich les Ihr Werk seit langer Zeit
Und komme voll Ergebenheit
Einen Mann zu sprechen und zu kennen,
den wir zu Recht mit Ehrfurcht nennen.
Sie haben mancherlei erzählt
Von großer und von kleiner Welt.
Natur, Geschichte, Politik,
Erziehung, Bildung, Liebesglück.
Doch kann ich leider nicht umhin
- auch das ist meiner Rede Sinn –
mit Ihnen über deine Schwächen
ein off’nes Wörtchen auszusprechen.
Sie sind – ich find es penetrant –
Ich manchen Dingen ein Pedant.
Was sich dann einstellt, das ist kläglich
Und auch stilistisch schwer erträglich.

ALLE (munkelnd)

Mir wird schon bang. Was hat er vor?
Leiht dafür Stifter ihm sein Ohr?

LACHINGER

Zum Beispiel macht mich gar nicht froh
Die Szene aus dem Witiko.
Wie Witiko mit Berta spricht!
So albern reden Menschen nicht.
Die ganze Szene ist – so sag ich –
Gekünstelt, spießig, ja pomadig.

ALLE (in Aufregung)

O schweig, den Geist erfasst Entsetzen
Er will uns – wie es scheint - entwetzen.

JOHANN LACHINGER (spricht unbeirrt weiter)

In Ihrer Furcht vor Emotionen
Vor Chaos und Revolutionen
Da greifen Sie zum Ritual:
Das wirkt bisweilen ziemlich schal.
Wo nur die Sittenwelt regiert;
Hirn, Herz und Hodensack gefriert.

ALLE (in höchster Aufregung)

Er huldigt nicht dem großen Toten.
Er haut ihm kräftig auf die Pfoten!

JOHANN LACHINGER

Kurzum, so tüchtig du gewesen,
wir müssen dich auch kritisch lesen!

ALLE (mit dem Ausdrucke größten Entsetzens)

Der Geist erträgt die Schelte nicht!
Er flieht! - - - Und weg ist das Gesicht!

JOHANN LACHINGER

Herr Schulrat, laufen Soie nicht fort!
Hier ist für Sie der rechte Ort.
Hier wird Ihr Erbe hochgehalten.
Doch alle Dichter – grad die alten –
Bedürfen nicht nur der Verehrung
Und ungebremsten Ruhmesmehrung.
Die Dichter, die uns längst entschliefen,
wolln wir auf ihren Wert auch prüfen.
Die kritische Vernunft hält ständig
Das Werk der Alten uns lebendig.
Und nur ein Werk, das dies erträgt,
Mit Recht den Namen "klassisch" trägt.

Adalbert Stifters Geist kehrt zurück – nun in ganzer Körpergröße

ALLE (in Verzückung)

Der Dichter ist jetzt wieder da!
Hurra! Hurra! Hurra!

STIFTERS GEIST

Verzeiht, wenn ich entschwand!
Nicht vor dem wackern Manne lief ich fort,
Die Blase drückte mich. Doch fand
Das Häusl ich nicht am gewohnten Ort.
Vom lang entbehrten Linzer Bier
Nahm ich drei Krügel oder – sechs.
O je, das reimt sich nicht, wie ich grad merke,
Doch Reimen war noch nie recht meine Stärke
Drum red fortan in Prosa ich:

Mein lieber Hofrat! Was du an meinen Schriften auszusetzen hast, das halt ich aus, ich bin Schlimmeres gewöhnt. Weißt du, man schreibt halt allerhand zusammen, wenn der Tag ist lang. Und der eine Tag ist besser – der andere schlechter. Wer’s besser kann als ich, der mach es besser. Was literarisch ich zurückgelassen habe auf Erden, gehört jetzt euch - den wenigen Lesern und den vielen Germanisten. Gefällt’s euch, sei’s mir recht. Gefällt’s euch nicht, so kann ich es nicht ändern.
Macht damit, was ihr wollt: seziert, editiert und kommentiert. Mein literarischer Ehrgeiz, der ist lang verflogen. Ewig ist nur der Durscht, und ewig ist der Hunger.
Und beides nur schwer zu stillen im Jenseits drüben. Ich spüre es schon: Kaum hab ich mich erleichtert, ist innerlich schon wieder alles leer.

JOHANN LACHINGER

Dem Manne kann geholfen werden!
Denn ein paar Flaschen Wein sind schnell entkorkt!

STIFTERS GEIST

O bester Freund, Sie lindern die Beschwerden.
Mit fünf, sechs Flaschen wär ich schon versorgt.
Allein die Hoffnung drauf stärkt mir die Glieder
Sogar die Reime fließen wie von selber wieder.
Ich spüre schon, wie`s mir die Seele netzt:

JOHANN LACHINGER

Was du da fühlst, das ist das sanfteste Gesetz.

STIFTERS GEIST

Die Träne quillt, die Erde hat mich wieder
Umarm’ mich, Bruder, setz dich zu mir nieder.
Sag Bertl jetzt zu mir und schlage ein

JOHANN LACHINGER

Sag Hans zu mir, wir wollen Brüder sein!


Sie umarmen einander mit dem Ausdrucke tiefster Bewegung. Ein rosiger Schein erhellt die Szene. Himmlische Musik erklingt. Die Festgemeinde erhebt sich in höchster Rührung und seufzt "Ach".

VORHANG

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Berichte/Beiträge


"Wechsel an der Spitze
des Adalbert Stifter
Institutes Bilanz und Perspektiven"

Information zur Pressekonferenz 
vom 4. Oktober 2004 mit
Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer,
Landeskulturdirektor Hofrat Dr. Reinhard Mattes,
Hofrat Dr. Johann Lachinger und
Dr. Petra Maria Dallinger

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