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DER FREUNDSCHAFTSBUND
Großes Festspiel in drei kleinen Akten
von Christian Schacherreiter
Personen:
Johann Lachinger
Regina Pintar
Tonja Grüner
Walter Wippersberg
Christian Schacherreiter
Der böse Geist Mephistopheles (erscheint in Gestalt von Thomas Baum)
Der Geist von Adalbert Stifter
Zeit: Im Jahr 2004
Ort: Land ob der Enns (der 1. und 3. Akt spielen im Stifterhaus, der 2. in Losenstein)
1. AKT
Seminarraum im Stifterhaus. Regina Pintar, Thomas Baum, Tonja Grüner, Walter Wippersberg
THOMAS BAUM (zu Tonja und Walter gewendet)
Ihr beiden, die ihr mir so oft
In Not und Trübsal beigestanden,
Sagt, was ihr wohl im obderennsschen Lande
Von unsrer Unternehmung hofft.
Ihr wisst, dass unser Hofrat nur noch kurz
Im Stifterhause Herr und Meister ist.
Die Stunde flieht, ein Tag ist nur ein Furz.
Und schon ist so ein Hofrat Pensionist.
Drum sollten wir nicht säumen und beizeiten
Dran denken, wie wir ihm ein Fest bereiten.
TONJA GRÜNER
Der Mensch ist Fleisch und Fleisch will er auch bleiben
Erst kommt das Fressen, dann kommt die Idee
Drum sorge, wenn du uns von Feier redest,
Zuallererst - und reichlich! - fürs Bufett.
WALTER WIPPERSBERG
Besonders aber bring genug Getränke.
Zum Fleisch tritt im Mysterium der Wein.
Dem guten Hofrat winken köstliche Geschenke.
Ein Festrausch sollte auch darunter sein.
(Man hört auf dem Gang Schritte)
REGINA PINTAR
O hört! - Eilt nicht auf flockig leichtem Fuß
Der reife Jüngling selbst dort durch den Raum?
Gewiss, er ists, und bald tritt er höchstselbst
Zu uns herein, damit wir ihn erschaun.
JOHANN LACHINGER (tritt auf, eine Zigarette rauchend)
Spät komm ich, doch ich komm,
Man ists gewohnt von mir, man nimmt nicht übel.
Die Zeit, sie flieht, die Stunden rasen und
Was morgen Greis wird, war noch gestern Bübl.
So gehts hier auch mit Druckwerk mancher Art.
Ich plane, denke - all das Drumherum!
Doch ehe so ein Jahrbuch dann erscheint -
REGINA PINTAR
- Sind gut und gerne sieben Jahr herum!
Doch schweige, würdger Mann, von solchen Dingen!
Vergälle nicht mit Sorge dir die Zeit.
Dein Ruhestand ist nicht mehr allzu weit.
Die letzten Tage hier sollst heiter du verbringen.
WALTER WIPPERSBERG
Du hast Vortreffliches gewirkt.
In Pracht und Blüte steht dein Haus.
Denn wer die Dichtkunst lobt und liebt,
Geht freudig bei dir ein und aus.
THOMAS BAUM
Doch gilt auch hier, was immer hat gegolten:
Vollkommenheit ist nur der Götter Teil.
Erhabnes wird zum Raub der Spötter, weil
Das Höchste selbst oft niedrig wird gescholten.
Drum will ich meinen, dass gewiss auch dir
Zum allerhöchsten Glücke etwas fehle:
Ein offner Wunsch, ein unerfüllt Pläsier.
Was ist es, Meister, sprich und sag es mir!
ALLE VIER
Ja, sprich und zögre nicht, mein hoher Herr!
Und halte dich beileibe nicht zurück!
Wir rasten nicht und sei es noch so schwer.
Wir schaffen dir - den schönsten Augenblick!
JOHANN LACHINGER
Ihr guten Kinder rührt mir an die Brust
Allein, was wollt vielmehr, was könnt ihr geben?
Auf Geistessphären richtet sich mein Streben:
Der irdsche Tand ist eine schale Lust!
Ich brauch nicht Speise, die nicht sättigt,
Nicht rotes Gold, das ohne Rast,
Quecksilber gleich, mir in der Hand zerrinnt,
Ein Spiel, beim dem man nicht gewinnt,
Kein Mädchen, das an meiner Brust,
Mit Äuglein schon dem Nachbar sich verbindet
Kurzum, das abgeschmackte alte Zeug,
Das schon in Goethes "Faust" sich albern liest,
Wie sehr es uns Moderne erst verdrießt,
Bedarf nur eines kleinen Fingerzeigs.
REGINA PINTAR
Du dauerst mich, o hochgelehrter Mann
WALTER WIPPERSBERG
Und ratlos sehen wir dich itzund an.
TONJA GRÜNER
Kein Schatz ergötzt dich?
THOMAS BAUM
Kein Genuss?
ALLE VIER
Es muss doch etwas geben muss, muss, muss!
JOHANN LACHINGER
Ihr drängt euch zu, nun gut, so mögt ihr walten
Und hören, was mein Innerstes bewegt.
In meines Busens tiefste Kammer sollt ihr blicken
Und folgen mir auf ungewohntem Weg.
Ich wünschte
ALLE VIER
Ja?
JOHANN LACHINGER
dass mir ein einzig Mal
Der Schulrat Stifter leiblich hier erscheine
Mit Sinnen ausgestattet und Verstand,
Damit er mir sein Ohr ein wenig leihe.
Zu klären wäre, was bislang im Dunkel
Worüber auch die Wissenschaft nur munkelt,
Was ganz allein der Dichter sagen kann.
Das brächte unsre Forschung kühn voran!
Drum macht ein Fest, gradwie ein Fest soll sein
Mit Speis und Trank und guten, heitern Reden
Doch ladet auch Herrn Stifter dazu ein
Dann forschen wir nicht länger wie die Blöden.
REGINA PINTAR
Betreten siehst du uns vor dir nun stehn,
Wir zaudern,
ALLE VIER
Denn wie könnte das geschehn?
JOHANN LACHINGER
Die technischen Details sind nicht mein Fach.
Drum bitt ich euch, denkt selbst ein wenig nach.
Ich muss jetzt, liebe Freunde, von euch ziehn.
Denn schon vor einer Stunde, wie mich deucht -
Ach Gott, wie doch die Zeit so rasch entfleucht
Da war, glaub ich, ein anderer Termin.
Ich weiß zwar nicht mehr wo, auch nicht wem,
doch sollt ich, wenn die Pflicht ruft, trotzdem gehn.
(Johann Lachinger geht ab, die anderen bleiben ratlos und bestürzt zurück)
(2. Akt) (3. Akt) nach oben
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Berichte/Beiträge
"Wechsel an der Spitze
des Adalbert Stifter
Institutes Bilanz und Perspektiven"
Information zur Pressekonferenz
vom 4. Oktober 2004 mit
Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer,
Landeskulturdirektor Hofrat Dr. Reinhard Mattes,
Hofrat Dr. Johann Lachinger und
Dr. Petra Maria Dallinger
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