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 Dietmar Pribil: Eine Geschichte mit zeitloser Botschaft
Joseph Vilsmaier verfilmt für 3 Mio.€ die Stifter- Novelle "Bergkristall" (2004 im Kino, 2005 in ATV+)

Artikel von Dietmar Pribil (Kurier)
Aus dem Kurier (Kultur & Medien) vom 17.03.2004
Bildquelle: ATVplus
Vliesmaier an der Kamera

Zahlreiche LKW-Fuhren Schnee werden auf dem kleinen Platz neben der Gaschurner Kirche abgeladen - um kunstvoll zu einem tiefwinterlichen Dorfbild arrangiert zu werden. Manch ein Passant wundert sich über die Weihnachtsbeleuchtung, die mitten im März von den angrenzenden Häusern strahlt.

Doch zumindest in der filmischen Fiktion ist die Idylle nur von kurzer Dauer. Das Drehbuch sieht einen Lawinenabgang vor. Und Panik unter den Statisten - die, etwa 30 an der Zahl, in der abendlichen Kälte artig auf ihren Kurzauftritt warten. Dann erschallt eine unmissverständliche Anweisung: "Die wichtigste Grundregel lautet: Nur ja nicht in die Kamera schauen!" Eigentlich gemein, was der Aufnahmeleiter da verlangt. Endlich hat man es in einen Kinofilm geschafft und dann das. Was soll's: Gute Statistenarbeit ist selbst für einen Joseph Vilsmaier unverzichtbar.

Der 65-jährige Starregisseur arbeitet seit Anfang März u. a. im vorarlbergischen Gaschurn (wo er schon "Schlafes Bruder" gedreht hatte) an seinem neuen, auf einer Adalbert-Stifter-Novelle basierenden Film "Bergkristall". Der übrigens als erste Film-Koproduktion (mit der ARD) für das heimische ATVplus Sendergeschichte darstellt.

DIE STORY Karin (Katja Riemann) und Paul (Herbert Knaup) reisen mit ihren Kindern Lisa (Riemann-Tochter Paula) und Marc (Frederick Lau) auf Winterurlaub nach Gschaid. Doch kurz nach ihrer Ankunft rollt eine Lawine zu Tal, Gschaid ist von der Außenwelt abgeschnitten. Die Familie flüchtet ins Pfarrhaus, wo ihnen Pfarrer Ernst (Max Tidof) die Geschichte des geheimnisvollen Bergkristalls, der Liebende wieder vereinen soll, erzählt.

Eine Geschichte, die sich vor über hundert Jahren ereignet hat. Sie handelt von der Feindschaft zwischen zwei Dörfern, die auch das Leben der Eheleute Susanne (Dana Vávrová) und Sebastian (Daniel Morgenroth) zu zerreißen droht. Die Fehde gipfelt in einer dramatischen Suchaktion nach den Kindern der beiden, Sanna (Josefine Vilsmaier) und Konrad (Francois Göske), die sich am Heiligen Abend auf der Suche nach dem Bergkristall verirrt haben.

WEICHEIER Für Dana Vávrová wird es ein Film, "von dem man sich streicheln lassen kann und bei dem man vielleicht auch ein Tränchen verliert." Für Ehemann und Regisseur Vilsmaier ist es eine "zeitlose Geschichte, deren Botschaft auch in 100.000 Jahren noch ihre Gültigkeit haben wird. Denn es geht um Neid, Hass und Liebe." Und: Man habe sich für "eine in der Gegenwart spielende Einleitung entschieden, um die Konsumgesellschaft, die uns alle zu Weicheiern gemacht hat, mit der rauen und stillen Welt von damals zu kontrastieren." Gar so weicheiig nun vielleicht doch nicht, denn der Dreh verlangt allen Beteiligten - als etwa bei minus 17 Grad Celsius gedreht werden musste- viel ab. Ein 14-Stunden-Arbeitstag wirft gerade vier Stunden Drehzeit ab. Der Rest ist vor allem der Bewältigung logistischer Probleme eines Drehs in alpiner Lage.

Doch Herbert Knaup sprach es bei der montägigen Pressekonferenz vor 50 Journalisten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz aus: "Wenn der Berg und der Vilsmaier rufen, dann komme ich." Und Daniel Morgenroth: "Das Schöne ist, dass es keine Diskrepanz gibt zwischen dem, was man am Set erlebt und dem, was die Geschichte vermittelt. Die Achtung vor dem Team habe ich so noch nie erlebt."

Und alle anwesenden Hauptdarsteller nickten. Der Kristall wirkt.

Dazu im Internet:
http://www.dasfilmarchiv.de/vilsmaier.html
http://www.atvplus.at

Josef Vliesmaier
   Bildquelle:
   ATV+ Wien
   Foto ganz links:
   Josef Vliesmaier
   an der Kamera
   kleines Bild:
   Josef Vliesmaier

Zur Person:
Joseph Vilsmaier wurde 1939 in München geboren. Er studierte neun Jahre lang am Münchner Konservatorium Musik und spielte in einer Jazzband. Ab 1972 machte er sich bei TV-Produktionen als Kameramann einen Namen. 1988 gründete er die Produktionsfirma Perathon Film und erzielte mit seinem Regiedebüt "Herbstmilch" (in der Hauptrolle seine Ehefrau Dana Vávrová) auf Anhieb den internationalen Durchbruch.
Weitere große Erfolge:
"Rama Dama" (1990), "Stalingrad" (1992), "Schlafes Bruder" (1995, Oskar-Nominierung), "Comedian Harmonists" (1997, Deutscher Filmpreis), "Marlene" (2000).


Dazu im Internet:
http://www.dasfilmarchiv.de/vilsmaier.html
http://www.atvplus.at

Bergkristall
Adalbert Stifters Novelle ("Der Heilige Abend") aus dem Jahr 1845 wurde bereits 1949 von Harald Reinl und 1999 mit Tobias Moretti fürs TV verfilmt.

Neuverfilmung
Im November 2004 kommt Vilsmaiers "Bergkristall" (Buch: Klaus Richter) in die Kinos.
2005 ist der von Herbert Kloibers Clasart Flim und Perathon Film produzierte Film im Weihnachtsprogramm von ATV+ und ARD zu sehen.


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